Varietäten:

Sorten:

Art:

Ulmus minor

Feldulme

Die Feldulme ist natürlicherweise ein großer, stattlicher, bis 40 m hoher Baum. Wegen der starken Anfälligkeit gegenüber der Holländischen Ulmenkrankheit findet man in Mittel- und Westeuropa fast nur noch kleine, häufig buschförmige Exemplare. Die Feldulme weist unter den Ulmen die höchste Variabilität hinsichtlich Wuchsform, Blatt- und Fruchtmerkmalen auf. Die bekannteste gärtnerische Sorte der Feldulme ist die Goldulme.

Vollständiger wissenschaftlicher Name:   
Ulmus minor Mill. em . Richens, 1977

Gültiges Synonym:
Ulmus minor Mill. sensu latissimo, 1768

Ungültige Synonyme:   
U. campestris, U. carpinifolia, U. foliaceae, U. glabra

Weitere Namen:   
Feldrüster, Rotulme, Rotrüster (de), field elm, smooth-leaved elm, small-leaved elm (en), veld iep, gladde iep (nl)

Die Art ist in Europa weit verbreitet, vom Mittelmeergebiet bis in das südliche Skandinavien und von Irland bis Russland mit einem Schwerpunkt in Mittel-, Süd- und Osteuropa. Außerdem sind Vorkommen auf Malta und in Nordafrika bekannt. Sie ist die typische Ulme der großen europäischen Flusstäler im Flachland. Innerhalb wie außerhalb des Areals wurde sie vielfach angepflanzt.

In Mitteleuropa bildet die Feldulme, zusammen mit der Flatterulme, der Esche und der Eiche, natürlicherweise den Hartholzauenwald. Diese Standorte sind im großen Maßstab zerstört worden, unberührte Auenlandschaften gibt es nicht mehr. Zusätzlich hat die Holländische Ulmenkrankheit die wenigen verbliebenen Bestände weiter dezimiert.

Die Feldulme kann ohne weiteres 35 m oder 40 Höhe erreichen, wegen der starken Anfälligkeit gegenüber der Holländischen Ulmenkrankheit findet man in Mittel- und Westeuropa fast nur noch kleine, häufig buschförmige Exemplare. In England ist vielfach zu beobachten, dass die Feldulme in Hecken, an Waldrändern und in Gebüschen 4 bis 8 m hoch wächst und dann wieder der Holländischen Ulmenkrankheit zum Opfer fällt.

Unter allen Ulmen hat die Feldulme die größte Variabilität in Blatt-, Frucht- und vielen anderen Merkmalen. Die meisten Versuche, diese Art in unterschiedliche Unterarten, Kleinarten oder Formen zu fassen, sind gescheitert.

Das Blatt der Feldulme ist auffallend klein (kleiner als das der anderen Ulmenarten, "minor" ist lateinisch für "klein"), normalerweise schmal rautenförmig bis breit-eiförmig bis fast rund, 4 bis 6, höchstens 8 cm lang und 2 bis 5 cm breit, der Blattstiel ist lang, die Spreitenbasis ist oft asymmetrisch bis stark asymmetrisch. Die Behaarung des Blatts kann sehr variieren, sie eignet sich nicht zur Artbestimmung. Alle Übergangsformen von stark behaart bis zu völlig glatt können an ein und demselben Individuum vorkommen. Die Blattfarbe ist ein kräftiges, oft dunkles Grün, die Herbstfärbung ein leuchtendes Gelb.

An jungen Zweigen können Korkleisten vorkommen – deren Fehlen aber nicht zu den Schluss zulässt, es handele sich nicht um eine Feldulme.

Die Art blüht ausgesprochen selten, Früchte werden daher kaum ausgebildet und diese sind oftmals steril. Sie breitet sich aber sehr stark durch Wurzelbrut aus, d. h. die Wurzeln treiben Schösslinge aus, die zu neuen Bäumen heranwachsen können.

Eine Grauulme (Ulmus canescens) wurde aus dem östlichen Mittelmeergebiet beschrieben. Sie wird nach neuerer Aufassung zu den Feldulmen gezählt.

Die Feldulme hybridisiert leicht mit der Bergulme zur Holländischen Ulme (U. x hollandica). Dies geschieht natürlicherweise dort, wo sich die Vorkommensgebiete überlappen. Darüber hinaus ist die Holländische Ulme Ausgangspunkt zahlreicher Züchtungen, die ebenfalls hybridisieren. Es entstehen fertile Nachkommen, die sich wiederum untereinander oder mit den Elternarten kreuzen. Diese introgressive Hybridisation führt zu einem mannigfaltigen Formenschwarm, mit zahllosen Übergangsformen zwischen Feld-, Holländischer und Bergulme. Am einzelnen Individuum kann deswegen die Artbestimmung manchmal schwierig oder unmöglich werden.

Eine der größten bekannten Feldulmen in Europa steht im Königlichen Botanischen Garten in Madrid (34 m hoch, 2,25 m Stammdurchmesser). Sie heißt 'El Pantalones' / 'Die Hose', weil sie sich dicht über dem Boden in zwei Hauptstämme verzweigt, die wie eine umgedrehte Hose aussehen.

Verschiedene Varietäten und Sorten der Feldulme sind gezüchtet worden, am bekanntesten sind die Englische Ulme (U. minor var. vulgaris, früher als eigene Art behandelt: U. procera) und die Goldulme (U. minor 'Wredei', heute in jedem Gartenmarkt erhältlich). Sie zeigen unterschiedliche Wuchsformen, von fast kegelförmigen Umrissen über einen stufenartigen Aufbau bis hin zu schirmartigen Kronen. Auch die Blattmerkmale können sehr stark variieren.

Die hier beschriebene Form der Feldulme wird wissenschaftlich als Ulmus minor var. minor (Nominatform) bezeichnet. Sie ist die früher häufig vorkommende, allgemein in Mittel-, Ost- und Südeuropa verbreitet Form.

Darüber hinaus werden folgende regionale Varietäten diskutiert:

U. minor var. coritana (Coritanische Ulme)
U. minor var. cornubiensis (Cornwall-Ulme)
U. minor var. italica
U. minor var. lockii
U. minor var. sarniensis (Jersey-Ulme)
U. minor var. suberosa (Korkulme)
U. minor var. vulgaris (Englische Ulme)


Die wichtigsten gärtnerischen Formen sind (die meisten haben keinen eingeführten deutschen Namen):

U. minor 'Argenteo-Variegata‘
U. minor 'Christine Buisman' (Buisman-Ulme)
U. minor 'Dampieri' (Dampieri-Ulme)
U. minor 'Dicksonii‘
U. minor 'Gracilis‘
U. minor 'Hoersholmiensis‘ (Hörsholm-Ulme)
U. minor 'Jacqueline Hillier'
U. minor 'Koopmannii‘
U. minor 'Lombartsii'
U. minor 'Louis van Houtte' (Van-Houtte-Ulme)
U. minor 'Marmorata'
U. minor 'Pendula‘
U. minor 'Propendens‘
U. minor 'Purpurea‘
U. minor 'Ruepellii‘
U. minor 'Schuurhoek‘
U. minor 'Silver Gem'
U. minor 'Umbraculifera‘
U. minor 'Variegata‘
U. minor 'Viminalis‘
U. minor 'Viminalis Aurea‘
U. minor 'Viminalis Marginata‘
U. minor 'Webbiana‘
U. minor 'Wredei' (Goldulme)

In Spanien deutet sich eine interessante neue Entwicklung an: Es wurden sieben Feldulmen ausgewählt, die ein ein vielversprechendes Resistenz-Verhalten zeigen. Gegenwärtig befinden sie sich in der Erprobung und sollen in absehbarer Zeit als Sorten zugelassen werden. Sie heißen:

'Ademuz'
'Dehesa de Amaniel'
'Dehesa de la Villa'
'Fuente Umbria'
'Mahadahonda'
'Retiro'
'Toledo'

Wie schon erwähnt, hybridisiert die Feldulme außerdem mit der Bergulme zur:

Holländischen Ulme, Ulmus x hollandica

In der „Enzyklopädie der Holzgewächse“ liegen zwei ausführliche Monographien über Varietäten der Feldulme vor: Ulmus carpinifolia (= U. minor var. minor) und Ulmus procera (= U. minor var. vulgaris).

Feldulmen auf der schwedischen Insel Gotland

Die riesenhafte Feldulme
"El Pantalones" im Botanischen Garten von Madrid, Spanien

Fruchtende Feldulme im Stadtzentrum von Barcelona, Spanien

Feldulme in Meran auf der Sommerpromenade
(Südtirol, Italien)

Feldulme in der Wohnsiedlung am Beerenberg in Hamburg-Harburg

Vegetative Verjüngung der
Feldulme am Elbufer,
Hamburg-Altona

Junge Rinde mit Korkleisten

Rinde eines mittelalten Exemplars

Bl├Ątter