Arten der Gattung:



Gattung:

Ulmus

Ulme

Die Gattung Ulmus, also die Ulmen im engeren Sinne, ist mit etwa 40 bis 50 Arten in den gemäßigten und subtropischen Zonen der Nordhemisphäre verbreitet.

Die Ulmen sind sommergrüne Bäume, die bis 40 m Höhe erreichen können. Die Blätter sind zweizeilig und wechselständig angeordnet, die Basis der Blattspreite ist normalerweise mehr oder weniger asymmetrisch, selten treten fast symmetrische Blätter auf, der Blattrand ist normalerweise doppelt gesägt, einfach gesägte Ränder können ebenfalls vorkommen, wobei die einzelnen Zähne stumpf bis stark zugespitzt sein können. Die Blattgröße wie auch die Blattform weisen auch innerhalb der Arten eine enorme Variabilität auf.

Die Blüten sind zwittrig und unscheinbar, sie stehen in büscheligen Blütenständen. Fast alle Arten blühen vor dem Laubaustrieb im Frühjahr, einige wenige blühen im Herbst. Die Früchte entwickeln sich sehr rasch, es handelt sich um geflügelte Nüsse (Samara), die zunächst grün sind und im Laufe der Reife eine pergamentene Farbe annehmen. Der Same liegt mehr oder weniger zentral in der 10 bis 25 mm langen Frucht.

Ulmen kommen natürlicherweise in vielen verschiedenen Waldgesellschaften vor. Markant ist die enge Bindung vieler Arten an Fließgewässer. Gleichwohl haben sie eine sehr weite physiologische Amplitude und können auch ausgesprochene Trockengebiete besiedeln. Ulmen bilden normalerweise keine Reinbestände, sondern mischen sich mit einer Vielzahl anderer Laubbaumarten. Die Gattung wird in verschiedene Sektionen unterteilt, die jeweils eng miteinander verwandte Arten umfassen. Diese hybridisieren intensiv miteinander, wo sich die Verbreitungsgebiete der verschiedenen Arten überschneiden. Oder wenn der Mensch auf die eine oder andere Weise nachhilft. So ist der bekannte Hybrid von Berg- und Feldulme entstanden, die Holländische Ulme (Ulmus x hollandica). Diese ist seit mehreren Jahrhunderten in den Niederlanden Ausgangspunkt für Züchtungsbemühungen. Natürliche Hybriden haben sich später wiederum mit Zuchtformen oder mit den Elternarten gekreuzt und jeweils fertile Nachkommen hervorgebracht, dieser Vorgang wird als introgressive Hybridisation bezeichnet. Es haben sich sogenannte Hybridschwärme entwickelt, die eine unübersehbar große Anzahl unterschiedlichster Formen enthalten. Eine praktikable Abgrenzung der verschiedenen Formen voneinander ist oftmals nicht mehr möglich – und vielfach auch nicht sinnvoll, da klare Abgrenzungsmerkmale fehlen. Im Ergebnis gibt es bis heute kein einheitliches und allgemein akzeptiertes System der Ulmen.

Es ist nicht genau bekannt, wieviele Arten die Gattung Ulmus eigentlich umfasst. Die Schätzungen reichen von 35 bis zu 50 Spezies. Im Handbuch wird im wesentlichen dem Vorschlag von Anneliese Buchel gefolgt, die sich auf 43 Arten festgelegt hat. Seit ihrer Veröffentlichung ist wiederum viel Zeit vergangen, so dass manche Art inzwischen als Unterart oder Varietät aufgefasst wird. Die maßgebende einschlägige Veröffentlichung ist "The Plant List", diese führt 41 Arten mit 147 Synonymen auf; allerdings gibt es auch 115 "ungeklärte" Einträge. Das Handbuch geht ebenfalls von aktuell 41 Arten aus und beschreibt davon 28. Weitere folgen.

Ulmen liefern in aller Regel wertvolles Holz (in der Forstwirtschaft als Rüster bezeichnet). Außerdem haben sie sich als Futterpflanze und für viele andere Zwecke, beispielsweise als Windschutz bewährt. Die Auswahl geeigneter Pflanzen und deren Züchtung reicht wahrscheinlich bis in die Bronzezeit zurück.

Viele Ulmenarten werden innerhalb und außerhalb ihrer natürlichen Verbreitungsgebiete als Zierbäume gepflanzt. Einige Vertreter der Gattung, insbesondere die europäischen Arten, waren in jüngerer Vergangenheit und sind auch heute noch Gegenstand intensiver Züchtungsbemühungen. Die Zahl der Kultivare ist nicht mehr überschaubar.

Die europäischen und amerikanischen Ulmenarten sind von der Holländischen Ulmenkrankheit tödlich bedroht. Vermutlich ist die Krankheit im Himalaya entstanden, inzwischen ist sie weltweit verbreitet und hat mehrere hundert Millionen Bäume zum Absterben gebracht. Es gibt jedoch Mittel und Möglichkeiten, die Krankheit zumindest regional einzudämmen und wertvolle Ulmenbestände zu schützen. Die Züchtungstätigkeit mit Ulmen hat sich in den letzten Jahrzehnten vor allem auf resistente Sorten konzentriert.

Die gegenwärtig mehr oder weniger anerkannten Arten sind:

Ulmus alata (Geflügelte Ulme)
Ulmus americana (Amerikanische Ulme)

Ulmus androssowi
Ulmus bergmanniana (Bergmanns Ulme)
Ulmus castaneifolia (Kastanienblättrige Ulme)
Ulmus changii
Ulmus chenmoui (Chenmou-Ulme)
Ulmus chumlia
Ulmus crassifolia (Dickblättrige Ulme)
Ulmus davidiana (Davidsulme)
Ulmus densa
Ulmus divaricata
Ulmus elongata
Ulmus gaussenii (Anhui-Ulme)
Ulmus glabra (Bergulme)
Ulmus glaucescens (Gansu-Ulme)
Ulmus harbinensis (Harbin-Ulme)
Ulmus hollandica (Holländische Ulme)
Ulmus ismaelis
Ulmus laciniata (Mandschurische Ulme)
Ulmus laevis (Flatterulme)
Ulmus lamellosa (Hebei-Ulme)
Ulmus lanceaefolia
Ulmus macrocarpa
Ulmus macrocarpa (Großfrüchtige Ulme)
Ulmus mexicana
Ulmus microcarpa (Tibetische Ulme)
Ulmus minor (Feldulme)
Ulmus parvifolia (Chinesische Ulme)
Ulmus prunifolia (Kirschblättrige Ulme)
Ulmus pseudopropinqua (Frülingsulme)
Ulmus pumila (Sibirische Ulme)
Ulmus rubra (Rotulme)
Ulmus serotina (Späte Ulme)
Ulmus sukaczevii
Ulmus szechuanica (Szechuan-Ulme)
Ulmus taihangshanensis
Ulmus thomasii (Felsenulme)
Ulmus tonkinensis
Ulmus turkestania
Ulmus uyematsui
Ulmus villosa (Kaschmir-Ulme)
Ulmus wallichiana (Himalaja-Ulme)
Ulmus x hollandica (Holländische Ulme)

Es gibt zahllose Hybride, oftmals wird differenziert zwischen erster und zweiter oder noch tiefer gestaffelter Generation. Die gängigsten Formen sind:

Ulmus x hollandica (U. glabra x U. minor, Holländische Ulme)
U. glabra x U. wallichiana
U. japonica x U. wilsoniana
U. minor x U. parvifolia
U. pumila x U. japonica
U. pumila x U. rubra

Vielfach ist es üblich geworden, bei modernen Züchtungen auf den Artnahmen zu verzichten und eine Sorte beispielsweise "Ulmus 'Columella'" zu nennen. Teilweise verbergen sich dahinter Komplexhybride (also Züchtungen aus drei oder mehr Elternarten), teilweise aber auch herkömmliche Hybride aus zwei Arten. Sie sind alle auf erhöhte Resistenz gegenüber der Holländischen Ulmenkrankheit gezüchtet worden. Das Resistenzverhalten ist durchaus nicht einheitlich; die Forschung zu diesem Thema geht weiter.

Landschaft mit Flatterulmen bei Torgau an der Elbe, Deutschland

Eine Gruppe Feldulmen auf Gotland, Schweden

Bergulmen im sächsischen Erzgebirge - begleitet von kleinen Eschen

Eine Allee mit Holländischen
Ulmen in Noord-Holland

Amerikanische Ulmen in einer Wohnstraße in Winnipeg, Kanada

Chinesische Ulmen im
Botanischen Garten von
Salt Lake City, USA